Der Gongbu - Bogenstand im Taijiquan und Qigong

 

Wörtlich übersetzt bedeutet Gongbu „Bogenstand“, es ist der wichtigste Stand im Taijiquan, so wie der bereits beschriebene Mabu „Pferdestand“ der am meisten verwendete Stand im Qigong ist.

 

Beim Standardbogenstand ist ein Bein im Ausfallschritt, die Zehenspitze zeigt nach vorn (im Bild hier das rechte). 

 

 

Die Hände werden als lockere Fäuste (ein Stift passt in die Faust) an der Hüfte gehalten.

 

In dieser Haltung können die Stände trainiert werden, bei Beibehaltung einer Körperstruktur, die den Prinzipien des Taijiquan und Qigong entspricht.

 

„Unten schwer, oben leicht“ ist das Übungsmotto. So ist der Stand in der Grafik „oberkörperneutral“ dargestellt, da er jeweils aufrecht gehalten wird und es verschiedene Möglichkeiten für den Oberkörper in der Darstellung.

 

Die Beine werden in der chinesischen Volksmedizin auch als „zweites Herz“ bezeichnet, weshalb das Training der Beine sehr geschätzt wird.

Das vordere Bein beim Gongbu

Je nachdem, welches Bein vorne steht, spricht man vom rechten oder linken Bogenstand. 

 

Je nach Übungsintensität ist das vordere Bein leicht bis stark gebeugt, und im Pekingstil ist 70% Gewicht auf dem Bein. In einigen Taijiquan Familienstilen können es auch bis zu 100% ‚Gewicht sein.

 

Egal, wieviel Gewicht ist darauf zu achten, dass das Knie auf keinen Fall über den vorderen Zeh hinausragen darf, da es beim Üben sonst zu Knieproblemen kommen kann. Das Gelenk ist nicht darauf ausgelegt dieses Gewicht zu tragen. Das Gelenk soll das Gewicht weiter leiten und dazu ist eine entsprechende physikalische Ausrichtung erforderlich.

 

 

 

Eine simple Übung um die maximale Beugung zu trainieren ist es sich frontal zu einer Tür im Gongbu zu stellen, so dass der vordere Fuß mit der Zehenspitze die Tür berührt. Jetzt kann man das Knie so weit nach vorne schieben, bis es auch die Tür berührt. Das ist die maximale Neigung, die bei regelmäßigem Training ausgeführt werden kann, um das Knie zu schonen. Sinnvoller ist es meiner Erfahrung nach bereits vorher zu stoppen.

 

Eine andere Möglichkeit um diese Neigung zu trainieren ist es das Schienbein in einem 90 Grad Winkel zum Boden zu halten, wenn man Gewicht auf das vordere Bein verlagert. Das ist mit Auto fahren vergleichbar, wo 50 km/h im Stadtverkehr vorgeschrieben sind. Meistens sind es dann doch 55 km/h und bei einer Geschwindigkeitskontrolle gibt es für gewöhnlich aufgrund der Toleranz in der Messung keine Probleme oder Strafe. Ähnlich verhält es sich mit dem Schienbein und den 90 Grad. Wenn das Knie dann also doch nicht über dem Fußgelenk ist, so ist es auf jeden Fall noch nicht über dem großen Zeh und somit noch im Toleranzbereich. Ist es aber über den großen Zeh gibt es keine Toleranz. Das ist eine Geschwindigkeitsüberschreitung mit Strafe (möglichen Knieschmerzen).

 

Was macht das hintere Bein beim Gongbu?

Sofern das vordere Bein mit 70% Gewicht belastet wird, trägt das hintere Bein entsprechend 30% Gewicht. Die hintere Zehenspitze zeigt im Verhältnis zur Zehenspitze des vorderen Beins 45 Grad nach außen. Diese Position ist die Standardposition und wird sowohl im Taijiquan als auch im Qigong verwendet.

 

In alten Taijiquan Traditionen gibt es die Variante, dass die hintere Zehenspitze im Verhältnis zum vorderen Bein in einem Winkel vom 90 Grad ausgerichtet wird. Auch im Pekingstil ist dieser Stand vorhanden. Für diese Position ist eine entsprechende Weitung der Hüfte erforderlich, die erst durch jahrelanges Training erreicht werden kann. Und Standards sind Ziele, die gerne langsam erarbeitet werden dürfen.

 

Das hintere Bein ist gestreckt, was bedeutet zu 98% durchgedrückt oder positiv formuliert ist das Bein leicht gebeugt. 

Variationen beim Bogenstand

Neben dem normalen gibt es noch den langen Bogenstand. Der Unterschied liegt in der Standbreite der Füße: Im normalen Bogenstand sind die Füße schulterbreit auseinander, im langen Bogenstand sind sie auf einer Linie. Der lange Bogenstand wird im Taijiquan vor allen dann eingesetzt, wenn auf der gleichen Seite (zum Beispiel links) auch gestoßen werden soll (wie bei der Peitsche).

 

Um die Beinmuskulatur zu kräftigen und die Dehnung zu ermöglichen, kann dieser Stand auch mit einem waagerechten Oberschenkel des vorderen Beines und einem gestreckten hinteren Bein geübt werden.

 

Bei der Streckung ist meine Definition von gestreckt zu beachten: 98% bedeutet bei mir gestreckt. 100% ist Durchgestreckt und dass wird im Taijiquan nicht praktiziert. Im Qigong gibt es Übungen mit durchgestreckten Gelenken, doch diese werden explizit genannt.

Übepraxis der Stände

Die Stände sind das Fundament aller Übungen und somit der Bereich der ausgiebig und lange trainiert wird.

 

Damit das Training weiterhin Freude und Spaß macht, empfehle ich verschiedene „Aufbauten“ entsprechend dem Trainingssystem.

 

Möge die Übung gelingen.

 

Jan

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Kommentare: 1
  • #1

    Serge und Iris (Sonntag, 02 April 2023 06:31)

    Lieber Jan,

    auch für diesen sehr guten und ausführlichen Beitrag herzlichen Dank. Immer eine gute Hilfe! �

    Lieben Gruß…