Wer sich entscheidet Tai Chi Chuan oder Qigong zu erlernen, fällt immer eine Entscheidung für einen Unterrichtenden.
Es ist egal, welcher Lernweg (Real, Buch oder Video) gewählt wird. Am Anfang steht die Entscheidung für einen bestimmten Menschen, dem der Lernende das Vertrauen entgegenbringt, dass es sich um die richtige Person handelt, von der man lernen möchte.
Diese Auswahl muss sorgfältig erfolgen, da eine Verbindung von Lehrer und Schüler im guten Fall über viele Jahre und Entwicklungsschritte erfolgt. Und es macht Sinn nur bei einem Lehrer zur Zeit zu lernen, denn :
"Wer auf zwei Wegen gleichzeitig reist, wird nirgendwo hinkommen." Xunzi
Das vermitteln der Kenntnisse erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise.
In China wird durch vormachen und kopieren die Bewegung vermittelt. Dieses kopieren wird so lange trainiert, bis der Lehrer mit der Bewegung zufrieden ist.
Dabei wird die einzelne Bewegung sehr häufig wiederholt. Ähnlich der Ausbildung in einem Handwerk, wo beispielsweise im Metallbau solange an einem Stück mit der Pfeile gearbeitet werden muss, bis der Meister zufrieden ist. Hierbei geht es nicht darum zu verstehen, was das Ziel der Bewegung ist, sondern die Methode zu verinnerlichen. Diese traditionelle Vermittlung findet sich auch im deutschen Handwerk, da ich genau auf diese Weise von meinem Onkel im Handwerk unterwiesen wurde.
Der neuere Ansatz ist zu erklären, wozu die Bewegung genutzt wird. Das Ziel wird bekannt gegeben, damit der Übende eine Motivation hat die "stumpfe Wiederholung" zu ertragen und durchzuführen.
Auf meinem eigenen Weg habe ich bemerkt, dass es meinen Schülern leichter fällt die Bewegung zu trainieren und zu intensivieren, wenn sie frühzeitig erfahren, was der Hintergrund der Übung ist. Allerdings hilft einem der Hintergrund nicht die Übungsstärke zu verkürzen. Mindestens 10.000 Wiederholungen sind nun einmal erforderlich - egal, ob der Schüler weiss wozu es gedacht ist.
Und viele Details und Hintergründe werden nicht direkt beim Training erläutert.
Das Training ist für die körperliche Konditionierung und der theoretische Hintergrund erfolgt häufig in angenehmer Athmosphäre beim Essen oder in den Pausen beim Tee.
So ist das Wesentliche beim Lernen die gemeinsame Zeit mit seinem Lehrer.
Der Lehrer vermittelt nicht nur die körperlichen Techniken, er gibt die Gedanken und Ideen des Übungsgutes weiter. Entscheidend ist, dass der Schüler bereit und Willens ist zu lernen.
"Wenn jemand nicht ganzen Willens ist, werde ich ihn nicht unterrichten." Konfuzius
Das Vermitteln der Erkenntnisse des Lehrers erfolgt also auf verschiedenen Ebenen und da wir Menschen alle unterschiedlich sind, erfolgt es nicht, wie das einfache Kopieren eines Datenträgers. Jeder Mensch hat andere Fähig- und Fertigkeiten.
Ein guter Lehrer folgt am Anfang seinen Schüler und dann folgt der Schüler dem Lehrer - oder die Wege trennen sich. Das ist nicht schlimm.
Die größte Freude ist es, wenn man als Schüler angekommen ist.
Das läßt sich nicht erzwingen
(oder erkaufen) .
Wie der Meister zu mir sagte:
"Wir Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen, aber im Herzen verstehen wir uns."
Da wusste ich, dass ich angekommen bin.
Voller Respekt und Dankbarkeit für das vermittelte Wissen meinem Lehrer Meister Li Suiyin gegenüber.
Jan

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Joachim Schulze (Dienstag, 28 April 2026 12:19)
Moin Jan-
vielen Dank für diesen inspirierenden Beitrag.
Hab ich mit großem Interesse gelesen.
Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Achim�
Hubert Mayr (Dienstag, 28 April 2026 16:13)
Sehr schön geschrieben, lieber Jan,
besonders angesprochen hat mich der Satz:
"Ein guter Lehrer folgt am Anfang seinen Schüler und dann folgt der Schüler dem Lehrer - oder die Wege trennen sich. " Und hier insbesondere der erste Teil des Satzes....
Herzliche Grüße aus Bielefeld
Hubert